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Band: ELFFOR
Titel: Heriotz Sustraiak
Genre: Ambient Symphonic Black Metal
Label: Eigenpressung
Punkte: 9 / 10

Ende Dezember 2012 in respektabler Eigenregie veröffentlicht, birgt dieses gänzlich wunderbar gestaltete, und dabei ebenso stabile wie ungewöhnlich schwere Digibook das sechste reguläre Album von Elffor. Initiator, Keyboarder, Maincomposer und Textschreiber Eöl hat erneut ganze Arbeit dafür geleistet.

Eingespielt wurden die vier enthaltenen, allesamt überlangen neuen Nummern mitsamt diversen Gastmusikern, welche vor allem an Gitarrensaiten und Trommeln mitwirkten. Betitelt wurden die vier Hochgenüsse „Barrumbe Beltza“, „Hildakoen Basoetan“, „Heriotz Sustraiak“ und „Kateek Loturik...“. Geboten wird auf dem knapp 50minütigen Langspieler die für Elffor immer wieder typische, ganz spezielle Version von Ambient Symphonic Black Metal. Mit „Heriotz Sustraiak“ liefert der ebenso eigenwillige wie löblich unbestechliche und bestärkend aufrechte Musikus aus dem malerischen Baskenland eine einschlägige Underground-Veröffentlichung ab, welche in erster Linie für eingeschworene Liebhaber solcherlei Klänge gedacht ist.

Die oftmals knatternd schnell und ergötzlich schneidig rhythmisierten Stücke werden von betörend spirituellen Atmosphären geradezu erlaucht gekrönt. Ergreifend opulent orchestriert ist der Vortrag ebenfalls, und Tastenhexer Eöl erweist sich darin einmal mehr als begnadeter Spitzenkönner seines Fachs. In den besinnlichsten Momenten immer wieder eingebrachte Samples wie Rabengekreisch, Hundegebell etc. können die phänomenale Wirkung der Musik noch hochgradig potenzieren. Derlei massiv hypnotische Passagen sind nur den allerwenigsten der Repräsentanten dieses Metiers vorbehalten, wenn überhaupt.

Für Stimmungsmeister Eöl aber scheint es genau das zu sein, wofür er einst aus dem Mutterleib entlassen wurde. Teils lässt der geniale Baske seine Finger mit einer traumwandlerisch-geisterhaften Sicherheit für majestätisches Klang-Ambiente über die Tastatur seiner Stromorgel tanzen, dass es den ganzen Geist auszufüllen imstande ist. Doch auch die unsagbar verzweifelt phrasierte Vokalisierung des durch und durch sehnsüchtig geprägten Elffor-Liedguts zieht mich nachhaltig in ihren perfiden Bann. Ganz genau so definiere ich teuflisch effiziente Artikulierung, die den Menschenschmerz ganzer Jahrhunderte über die Stimmbänder Schlittenfahren lässt.

Anklagendes, verdammendes und inbrünstigstes Gekreisch in spartanischster, ursprünglichster und regelrecht archaisierender Ausführung, dass einen als Liebhaber solcher Musik gleichermaßen hart anpackt und niveauvoll dunkel faszinieren kann. Zelebriert wird besagte orale Verkündung mit ausgeprägtem heidnischem Flair, welches zudem so einige heroisierende Klargesangs-Passagen mit sich bringt; eine weitere formidable Facette im großartig zusammengesetzten Gesamtsound der Scheibe! So entstehen additional wesentliche kämpferische Reize, welche durch die martialische Schattenreich-Musik mitsamt der erhabenen symphonischen Pracht ohnehin beinahe erschöpfend ausgelotet werden.

Zuweilen erklingt sogar auch stimulierend anmutig ausgestoßener Weibsgesang auf „Heriotz Sustraiak“, außerordentlich geschmackvoll arrangiert, welcher ebenfalls perfekt dazu passt. Ambient Symphonic Black Metal als Kunstform in Reinkultur. Eöl hat ein zutiefst berührendes Album erschaffen, einen devot gesinnten Tribut an das Uralte und Mystische dieser Welt. Ein erstaunlich tiefgründiges Werk wie eine sinnbildlich obskure Reise, wenn mal will auch ohne Wiederkehr, in die finstersten Gefilde der eigenen Vorstellungskraft.

© Eckbert, 14.02.2013

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HEIDENGEIST:
Während das einst so ansehnliche Gesicht unserer bekannten Welt durch den antihumanen Globalisierungswahn mit jedem Tag mehr von seinen einstigen prächtigen Konturen verliert, gewann die heidnisch geprägte globale Musikszene nicht zuletzt genau dadurch glücklicherweise immer noch mehr an Zulauf. Nicht alle Individuen der menschlichen Spezies kommen eben mit TV-Plastikkultur, gezielt vorangetriebener Denaturierung und der voranschreitenden Aufhebung sämtlicher Moral- und Sittenvorstellungen klar.

Für die Liebe an sich, die wohl mächtigste mentale Kraft im bekannten Universum, bleibt da freilich immer weniger Platz in den Herzen der so arglistig medial Verführten. Wobei ich hier in diesem Kontext natürlich gezielt auf die Liebe zu unserer ewigen Lieblingsmusik anspiele. Während gegenwärtig Ehen also immer häufiger geschieden werden, Freundschaften immer schneller zerbrechen und echte Vertrauensverhältnisse mittlerweile nur noch mit der ganz großen Lupe zu finden sind, kann man als aufrichtig passionierter Verehrer herrlicher Klangkunst recht problemlos lebenslang haltende Bindungen zu unendlich lieb gewonnenen Platten kultivieren. Ganz nach meinem Motto: Menschen kommen und gehen, die Musik bleibt.

Dennoch, der große Boom dieser Stilistik ist mittlerweile auch schon wieder vorbei. Während einige kreativ löblich elitäre und wohltuend intellektuell gesinnte Verfechter-Horden aus der Pagan-, Viking- und Folk Metal-Branche ihrer Kunst prägende Impulse beziehungsweise eine gewisse Art der Einzigartigkeit zu verleihen imstande waren, scheinen sie heute gleichzeitig betrüblicher Weise ein aussterbendes Modell zu sein. So gibt sich der überwiegende Großteil der Genre-Repräsentanten nämlich gegenwärtig eindeutig damit zufrieden, eine mehr oder weniger gute Kopie bereits vollzogener musikalischer Metier-Großtaten zu sein. Wie dabei allzu deutlich zu beobachten war, sahen sich immer noch mehr Wochenend-Spaß-Heiden und Party Pagan Metal-Protagonisten gerne mit einem Instrument oder Gesangsmikrofon in der Hand in irgendeinem Proberaum stehen. Diese Tatsache allein wäre ja höchst erfreulich gewesen, ja, wenn am Ende halt auch zeitlose und genussvolle Kompositionskunst dabei herausgekommen wäre.

Wenn ich resümierend bedenke, was allein an einschlägigen Demonstrations-Tonträgern neben den regulären Veröffentlichgungen so alles im Verlauf der bisherigen Jahre meine Trommelfelle malträtierte, so graut es mir schon oftmals einzig an die Rückerinnerung an die miesesten Resultate. Nicht selten war ich geradezu anhaltend verwundert, mit welchen ärgerlichen Belanglosigkeiten sich Gruppen als auch die ganzen Einmann-Projekte unbekümmert frech an die Öffentlichkeit trauten. Keiner von euch kann in diesem Zusammenhang wohl ernsthaft bestreiten, dass bereits seit einiger Zeit schon nur circa jede 50. Pagan- und Folk Metal-Platte das Prädikat „Wertvoll“ verdient hat. Und ebenso, dass dieser inflationäre Ausstoß an Veröffentlichungen mittlerweile nicht wenigen wirklich Talentierten die Lust und den Drang genommen hat, sich in dieser Szene noch zu verwirklichen. Insgesamt zeigte sich das Ganze als ein gar nicht mal mehr so langsam schleichend vonstatten gehender Prozess, sondern als eine echte Bedrohung der authentischen Manifestation schöpferischer Ambitionen.

Aufhalten konnte besagten künstlerischen Verfall ohnehin keiner, daher wollen wir unser Augen- und vor allem Ohrenmerk doch lieber den einfallsreichen Spitzenkönnern der Zunft zuwenden, denn da gibt es schon so einige davon. Für deren Entdecken benötigt man neben gutem Geschmack vor allem Zeit – und die wird bekanntlich immer knapper. Eine probate Hilfestellung geben euch meine Artikel auf diesem Online Portal. Einige der Gruppen, die es hier rein geschafft haben, zeigen sich nicht selten erfreulich tiefgründig interessiert an der lehrreichen Historie unserer weisen Vorväter, was viele Aussagen der Befragten gleichsam lesenwert macht wie zum in sich gehenden Nachdenken anregt. Gut so, denn, fest steht:
Wir können die Zukunft nur meistern, wenn wir die Vergangenheit kennen.