.: HEIDENGEIST.com is not related to either left- or right-winged political ideologies - do not pester me with other interpretations! :.

____________________________________________________________________________________________________

Band: YGGDRASIL
Titel: Irrbloss
Genre: Pagan Folk Metal
Label: Grand Master
Punkte: 9 / 10

Leicht hatten sie es beileibe nicht, nachdem ihre vorherige Plattenfirma urplötzlich von der Bildfläche der Szene verschwand. Doch Yggdrasil wären eben nicht Yggdrasil, wenn sie keine ausgesprochenen künstlerischen Kämpfernaturen wären. Nach zwei Jahren Wartezeit kreuzen Yggdrasil nun also auf ihrem neuem Plattenlabel auf, und das gleich mit neuem Image, neuem naturnahen Logo und glücklicherweise auch neuer superber Musikkunst! Mit ihren ersten beiden spitzenmäßigen Alben „Kvällningsvindar Över Nordrönt Land“ und „Vedergällning“ konnten sich diese beängstigend talentierten schwedischen Pagan Folk Metal-Spezialisten bereits sehr tief in die Heidenherzen geneigter Hörer hineinspielen. Und mit dem neuen Werk führt die Band auf hochinteressante Weise fort, was sie einst 2001 begann: Verehrer der ersten Veröffentlichungen werden nämlich alles andere als enttäuscht sein. Schlicht „Irrbloss“ betitelt, enthält dieses gar prächtig ertönende Schaffenszeugnis nordisch-heidnischer Leidenschaften erneut beinahe ausnahmslos genussreiches Hammermaterial von bestechend homogener Natur.

Künstlerische Eigenständigkeit ist dabei nachhaltig hochgradig positiv zu erwähnen, fürwahr ein großes Verdienst dieser seriösen Truppe. Die zuvor noch so markant ausgekostete emotionale Beschwingtheit sowie die unweigerlich ansteckende Verspieltheit der älteren hitmelodischen Yggdrasil-Tage wurde für „Irrbloss“ allerdings merklich ein klein wenig reduziert. Aktuell kommt das Ganze einen Ticken düsterer, moderater und vermeintlich gesetzter herüber. Diesem beileibe nicht bedenklichen Fakt addiert das abermalig erfreulich beflissen aufspielende skandinavische Idealistenquartett jedoch eine wirklich gehörige Portion an nordischtypischer Folklore. Und Letztere generiert wieder mitsamt famos melodischen Leadgitarren auf famose Weise, was man bei Yggdrasil seit jeher so grenzenlos gut auskosten konnte: Nämlich diese ganz gewisse sehnsüchtige, beseelend innigliche Verträumtheit, welche von der Grundstimmung her an einen mitternächtlichen sommerlichen Aufenthalt in tiefstem nordischen Forst unter funkelndem Sternenhimmel erinnert.

Hört man sich also geduldig tiefer in die aktuellen Songs auf „Irrbloss“ rein, funktioniert auch diese neue Mischung der Gruppe wahrlich hervorragend. Und das gilt auch für sämtliche gesangliche Belange, und dies selbst in den oftmals grob bis gröber phrasierten Kehlenspektren. Denn die beiden trainierten Gitarristen Magnus Wohlfart und Benny Olsson sowie Tieftoner Gustaf Hagel vokalisieren die Kompositionen mit jeweiliger riesiger Inbrunst und Leidenschaft. Zuweilen tun diese drei ihre Stimmbandkräfte auch zu erhebend hymnischen Chorgesängen zusammen. Und das wirkt aufgrund immenser Authentizität solcherlei mehrstimmigen Vortrages wirklich sehr bewegend. Was 2009 auf dem zeitlosen Fabelwerk „Vedergällning“ also so wunderbar episch und so verführerisch naturromantisch ausklang, das findet jetzt auf „Irrbloss“ endlich seine angemessen würdige kreative Fortführung.

© Eckbert, 01.04.2011

____________________________________________________________________________________________________

September 2010 - HEIDENGEIST erstrahlt in neuem Glanz - viel Vergnügen mit dem neuen Online Portal.

Während das einst so ansehnliche Gesicht unserer bekannten Welt durch den antihumanen Globalisierungswahn mit jedem Tag mehr von seinen einstigen prächtigen Konturen verliert, gewinnt die heidnisch geprägte globale Musikszene nicht zuletzt genau dadurch glücklicherweise immer noch mehr an Zulauf. Nicht alle Individuen der menschlichen Spezies kommen eben mit TV-Plastikkultur, gezielt vorangetriebener Denaturierung und der voranschreitenden Aufhebung sämtlicher Moral- und Sittenvorstellungen klar – für die Liebe an sich, die wohl mächtigste mentale Kraft im Universum bleibt da freilich immer weniger Platz in den Herzen der so arglistig medial Verführten. Wobei ich hier in diesem Kontext natürlich gezielt auf die Liebe zu unserer ewigen Lieblingsmusik anspiele – während gegenwärtig Ehen also immer häufiger geschieden werden, Freundschaften immer schneller zerbrechen und echte Vertrauensverhältnisse mittlerweile nur noch mit der Lupe zu suchen sind, kann man als aufrichtig passionierter Verehrer herrlicher Klangkunst recht problemlos lebenslang haltende Bindungen zu unendlich lieb gewonnenen Platten kultivieren. Ganz nach meinem Motto: Menschen kommen und gehen, die Musik bleibt.

Dennoch, während einige kreativ löblich elitäre und wohltuend intellektuell gesinnte Verfechter-Horden aus der Pagan-, Viking- und Folk Metal-Branche ihrer Kunst prägende Impulse beziehungsweise eine gewisse Art der Einzigartigkeit zu verleihen imstande sind, scheinen sie gleichzeitig betrüblicher Weise ein aussterbendes Modell zu sein. So gibt sich der überwiegende Großteil der Genre-Repräsentanten nämlich mittlerweile eindeutig damit zufrieden, eine mehr oder weniger gute Kopie bereits vollzogener musikalischer Metier-Großtaten zu sein. Wie dabei allzu deutlich zu beobachten ist, sehen immer noch mehr Wochenend-Spaß-Heiden und Party Pagan Metal-Protagonisten sich gerne mit einem Instrument oder Gesangsmikrofon in der Hand in irgendeinem Proberaum stehen. Diese Tatsache allein wäre ja höchst erfreulich, ja, wenn am Ende halt auch zeitlose und genussvolle Kompositionskunst dabei herauskommen würde. Wenn ich bedenke, was allein an einschlägigen Demos so alles im bisherigen Jahresverlauf meine Trommelfelle malträtierte, graust es mir schon stets einzig an die Rückerinnerung daran. Nicht selten war ich geradezu anhaltend verwundert, mit welchen ärgerlichen Belanglosigkeiten sich Gruppen als auch die ganzen Einmann-Projekte mittlerweile unbekümmert frech an die Öffentlichkeit trauen. Keiner von euch kann in diesem Zusammenhang wohl ernsthaft bestreiten, dass nur noch circa jede 50te Pagan Metal-Platte das Prädikat „Wertvoll“ verdient. Und dass dieser inflationäre Ausstoß an Veröffentlichungen mittlerweile nicht wenigen wirklich Talentierten die Lust und den Drang genommen hat, sich in dieser Szene noch zu verwirklichen. Insgesamt ein gar nicht mal mehr so langsam schleichend vonstatten gehender Prozess, sondern eine echte Bedrohung der authentischen Manifestation schöpferischer Ambitionen.

Aufhalten kann das ohnehin keiner, daher wollen wir unser Augen- und vor allem Ohrenmerk doch lieber den einfallsreichen Spitzenkönnern der Zunft zuwenden – denn da gibt es schon so einige davon. Für deren Entdecken benötigt man neben gutem Geschmack vor allem Zeit – und die wird bekanntlich immer knapper. Eine probate Hilfestellung geben euch meine Artikel auf diesem Online Portal. Einige der Gruppen, die es hier rein geschafft haben, zeigen sich nicht selten erfreulich tiefgründig interessiert an der lehrreichen Historie unserer weisen Vorväter, was viele Aussagen der Befragten gleichsam lesenwert macht wie zum in sich gehenden Nachdenken anregt. Gut so, denn, fest steht: Wir können die Zukunft nur meistern, wenn wir die Vergangenheit kennen.

Eckbert, 16.08.2008